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Ungeferbert – ungestresst! Die Schlafgeschichte von 4 glücklichen Kindern

Während ich diese Zeilen tippe, habe ich gerade eines meiner 3 Monate alten Zwillingsmädchen im Tragetuch, friedlich schnarchend. Ihre Schwester schlummert gerade, eng eingehüllt in ein anderes Tragetuch, in einer Wippe – direkt vor der laufenden Spülmaschine, denn dort (warm, rauschend und mitten im Geschehen) schläft es sich einfach gut! Klar, ich hätte auch versuchen können, meine Babys in irgendeinem Gitterbettchen „schlafen zu legen“ (na ja, theoretisch, denn wir haben gar keins ;-)) – aber dann hätte ich wohl kaum Zeit gehabt, diesen Bericht zu verfassen…

Also der Reihe nach:
Meine erste Tochter Luisa kam im Dezember 2002 zur Welt. Problemlose, ambulante KH-Geburt, problemloser Stillstart, ein supersüßes, ruhiges Mädchen, 4400 g proper – nach 3 Tagen hatte sie immer noch nicht geschrieen. Ich gab sie quasi keine Sekunde aus der Hand, außer dem Papa und der engsten Verwandtschaft natürlich, aber in den ersten Monaten ließ ich sie niemals allein. Wir schliefen gemeinsam im Familienbett – ich konnte mir nichts anderes vorstellen! In der Schwangerschaft hatte ich das „Stillbuch“ und „Schlafen und Wachen“ gelesen, nichts sonst, und war damit hoch zufrieden: genau so wollte ich mein Baby betreuen! Ich freute mich auf die Praxis, und ich wurde nicht enttäuscht… ich weiß noch, meine Tochter war ungefähr 8 Wochen alt, es war eine eiskalte, sternenklare Winternacht, und wir lagen im kuschelig warmen Bett unter unserem Dachfenster. Sie stillte ganz ruhig und blickte mich mit ihren riesigen schwarzen Knopfaugen an, in denen sich der Sternhimmel spiegelte... das war sooo süß und ich dachte nur „was man doch alles verpasst, wenn man sein Baby alleine schlafen lässt!“ Das war wirklich richtig romantisch.

Tags schlief meine Tochter meist im Tragetuch, wir waren viel unterwegs und haben diese Zeit echt genossen. Abends schlief sie irgendwann auf dem Sofa ein; wenn wir ins Bett gingen, nahmen wir sie einfach mit. Mit ca. 4-5 Monaten merkte ich, dass sie abends nicht mehr so gut im Wohnzimmer einschlief. Sie ließ sich einfach leichter ablenken und fühlte sich wohl vom Fernseher etwas gestört. Ab diesem Zeitpunkt brachte ich sie abends „zu Bett“, d.h. ich wiegte sie in meinen Armen in den Schlaf und legte sie dann bei uns ins Bett. War sie fest eingeschlafen, schlich ich raus: „Feierabend“. Wenn sie sich wieder meldete, hörten wir das im Babyphon, ich flitzte schnell hin und stillte sie einfach wieder in den Schlaf, ehe sie ganz wach wurde. Mit ca. 6 Monaten wurde sie mir zum Wiegen zu schwer, ab dann legten wir uns einfach so gemeinsam hin. Bis zu ihrem 1. Geburtstag hatten wir verschiedene Varianten des Co-Sleepings ausprobiert, Elternbett, Matratze auf dem Boden usw. - letztlich sind wir einfach dabei hängen geblieben, dass sie auf einer Matratze auf dem Boden abends einschlief, und wenn wir ins Bett gingen, holten wir sie zu uns.
Nachts stillten wie nach Bedarf - das Phänomen, dass sich Schlafrhythmus von Mutter und Kind durch die Stillhormone aufeinander einstellen, kann ich vollstens bestätigen (und finde das heute noch faszinierend!).

Mit ca. 15 Monaten schlief sie dann öfter mal durch, niemals alleine – sie brauchte dazu definitiv unsere Anwesenheit! – fürs Alleineschlafen war sie uns damals noch viel zu klein, das hätten wir gar nicht versucht – und mit dem häufigeren Durchschlafen fiel dann automatisch auch unsere letzte Stillmahlzeit mit weg. Ich war wieder schwanger und machte mir schon ein paar Gedanken, wie es wohl werden würde, wenn das Baby erst da ist, ob sich Luisa durch das Baby nicht doch gestört fühlen würde, wenn wir alle gemeinsam schlafen würden…

Meine zweite Tochter Susanna wurde in September 2004 geboren, Luisa war da 22 Monate alt. Eine flotte, unspektakuläre Hausgeburt, Baby über 9 Pfund und etwas lebhafter als ihre große Schwester. Für die Große hatten wir einen selbstgezimmerten Babybalkon vorgesehen, und all meine Befürchtungen waren überflüssig: selbst wenn Susanna nachts mal kurz weinte, Luisa störte sicht nicht im Geringsten daran! Ich nehme an, kleine Kinder sind wohl irgendwie von Natur aus darauf gepolt, die Töne ihrer kleinen Geschwister zu überhören – Hauptsache Mama ist da, dann kann man ruhig weiterschlafen!
Mit Susanna habe ich im Grunde die gleichen Schlaf-Erfahrungen gemacht wie mit Luisa – sie hatte zwar etwas stärkere Bedürfnisse und einen anspruchsvolleren Charakter (dennoch weit entfernt von einem „Schreibaby“!), aber das Prinzip war das gleiche: gemeinsames Schlafen, keine bis wenig Trennungen am Tag, Stillen nach Bedarf, tagsüber Daueraufenthalt im Tragetuch – etwas anderes als Attachment Parenting kam für uns einfach nicht in Frage und wir waren sehr glücklich damit.
Eifersüchtig war Luisa überhaupt nicht – worauf auch, auch mit Baby im Tuch hatte ich ja quasi immer Kopf und beide Hände für sie frei. Und irgendwelche künstlichen „Schlafrituale“ hatten wir auch nicht – gut (ein-)geschlafen wurde eben da, wo Mama (oder Papa!) schläft, fertig.

Erstmals im eigenen Zimmer geschlafen hat Luisa mit gut 2 ½ Jahren – sie schlief zu der Zeit meist durch und war dann alt genug, ohne Angst selbständig den Weg in unser Schlafzimmer zu finden, falls ihr danach ist. Manchmal wachte sie morgens in ihrem eigenen Bett auf, oft doch bei uns – uns war das ganz egal, Hauptsache alle schlafen gut!
Susanna brauchte deutlich länger zum Durchschlafen, und irgendwelche Experimente machten wir nicht. Ich war absolut sicher, dass auch sie irgendwann alleine durchschlafen können würde, hatte es damit nicht eilig und sie schlief einfach komplett im Elternbett.

Abends in den Schlaf begleitet habe ich (oder mein Mann) unsere Kinder immer – ich hatte gar nicht die Erwartung an sie, dass sie allein einschlafen sollen. Wozu?? Ich genieße es selbst, abends mit „Licht aus“ noch leise über den Tag zu flüstern und eingekuschelt zuzuhören, wie sie einschlafen. Noch niemals haben die beiden irgendetwas negatives mit dem Thema „Einschlafen“ assoziiert: sie gehen gerne ins Bett, oft lesen wir noch eine kleine Geschichte, gekuschelt wird immer – also nichts, wogegen man sich wehren müsste!
Mittagsschlaf haben wir immer sehr flexibel gehandhabt, oft waren wir sowieso unterwegs, so dass im Auto geschlafen wurde. Ab ca. dem 2. Geburtstag fand sowieso meist kein Mittagsschlaf mehr statt. Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich überflüssig, einem kleinen Kind beizubiegen, wie, wann und wie lange es am besten möglichst „im Rhythmus“ Mittagsschlaf machen soll! Mit spätestens 4 Jahren (bei uns schon mit 2) ist ja eh Schluss damit!)

An ihrem 2. Geburtstag schlief Susanna noch gar nicht durch und stillte auch noch sehr viel. Ein Vierteljahr später änderte sich ihr Schlafrhythmus, und sie schlief plötzlich meist durch (ohne irgend ein Zutun von meiner Seite!). Noch ein Vierteljahr später hatte sie sich fast komplett abgestillt. Ich war hochschwanger und sah dem erneutem Babysegen entspannt entgegen; um die Frage „wer schläft wo und wie“ machte ich mir nun keine Gedanken mehr – jede Nacht ist anders und wenn morgens alle fröhlich aufwachen, ist mir wurscht, wer wo in welchem Bett schläft oder wie oft jemand nachts was trinken möchte.

Unsere Zwillinge kamen nach einer zum Glück unkomplizierten Schwangerschaft zur Welt, als Susanna 2 Jahre und 9 Monate alt war, Luisa war 4 ½ Jahre alt. Luisa schlief schon seit einer ganzen Weile in der Regel komplett in ihrem Zimmer, kam oft früh morgens einfach zum Kuscheln rüber. Ungefähr 6 Wochen vor der Geburt verkündete Susanna, dass sie jetzt auch bei Luisa schlafen will (Luisa schlief in einem 1,40m breiten Bett, was wir vorausschauenderweise schon früh als „Geschwisterbett“ geplant gekauft hatten) – kein Problem! Und natürlich ein passender Zeitpunkt!
Die erste Nacht nach der ambulanten Geburt verbrachten wir alle gemeinsam – und kamen sogar zu Schlaf! Glücklicherweise schliefen die Babys viel, und es war schnell klar, dass sie ruhige, ausgeglichene Babys sind. Jetzt sind sie 3 Monate alt; Stillen, Co-Sleeping und der ganze Alltag klappen reibungslos, und es ist definitiv viel stressfreier, als ich aus den üblichen blöden Zwillingsbüchern vorgewarnt wurde. Ehrlichgesagt sind die Nächte richtig super: ein Baby liegt links, eins rechts von mir, ich stille einfach nach Bedarf, und die beiden schlafen wie ihre großen Schwestern auch direkt beim Stillen weiter. Manchmal schlafen sie sogar schon 4 Stunden am Stück, dann stillen, dann wieder ein paar Stunden, stillen, dann wieder ein paar Stunden… – purer Luxus!! Von mir aus kann das gerne noch die nächsten 3 Jahre so bleiben!
Die großen Mädchen schlafen gemeinsam im Kinderzimmer im Geschwisterbett, meist kommt mindestens eins im Laufe der Nacht zu uns rüber und schläft bei uns weiter. Mittlerweile haben wir ein Riesen-Familienbett, fast 4m breit, also ist Platz genug.
Der Punkt ist doch der: Ich bin tags gerne mit meinen Kindern zusammen. Und nachts eben auch. Ich finde das völlig normal!

Bis heute begleiten wir unsere Kinder abends in den Schlaf, Mama oder Papa. Manchmal geht das nicht „Haut an Haut“, z.B. wenn mein Mann gerade noch arbeiten muss und die Babys gerade meine Aufmerksamkeit fordern – interessanterweise macht das den Großen kaum etwas aus: es geht halt gerade nicht, dass ich mich dazu legen kann, und meistens schlafen sie dann eben so einfach ein, während ich z.B. mit den Babys im Tragetuch durchs dunkle Zimmer trabe und auf diese Weise präsent bin. Meine älteste Tochter kann seit etwa ihrem 4. Geburtstag allein (glücklich!) einschlafen; ich weiß noch wie sie mir mal abends zuflüsterte: „Du kannst ruhig rausgehen, aber lass die Tür auf und komm nicht so spät ins Bett!“ Dann drehte sie sich rum und schlief. Ich war hin und weg vor Rührung und hatte richtig das Gefühl, dass sich da der sprichwörtliche Kreis schließt: ein Kind, was niemals allein weinen musste, entlässt mich von sich aus! Sears hat Recht! Süß!

Fazit: Was anderes als Co-Sleeping käme für mich mit kleinen Kindern niemals in Frage. Und auch ältere Kinder haben meiner Ansicht nach ein Recht auf liebevolle Betreuung in Nacht, wenn nötig. Dass ich heute stolz auf meine selbstbewussten, angstfreien und sicher gebundenen Kinder bin, die Wert auf Kommunikation und Körperkontakt legen statt auf Schmusedecke und Daumenlutschen, brauche ich wohl nicht betonen. :-)
Worauf ich nicht unbedingt Lust hatte, wäre „allabendlich stundenlanges Insbettbringen“ gewesen. Wenn mein Kind nicht nach 15 Minuten eingeschlafen war, sind wir wieder aufgestanden, und ich hab gemacht, was MIR Spaß macht (OK, oder Spülmaschine ausgeräumt ;-)) und es einfach auf eine Stunde später verschoben. Übrigens: dass sich Co-Sleeping negativ aufs „Eheleben“ auswirken soll, kann ich überhaupt nicht bestätigen! *g* Im Gegenteil…

Wenn ich Tipps für eine entspannte Schlafkultur geben sollte, dann wären dies:


  • Nichts einfordern, was eben noch nicht geht! Wenn das Kind von sich aus reif für etwas ist, geht’s eh von allein!

  • Keine Sorgen machen „ob das Kind wohl jemals im eigenen Bett schläft“. Denn das wird es!

  • Das Kind nur ins Bett bringen, wenn es wirklich RICHITG MÜDE ist!!! Es ist illusorisch anzunehmen, dass ein Kind, was bis 17 Uhr Mittagsschlaf gemacht hat, um 19 Uhr problemlos ins Bett geht (meine zweite Tochter z.B. brauchte mindestens 8 Stunden „Schlafpause“!).

  • Keinen Mumpitz abends mit Fläschchen, Spieluhr, Sandmännchen, Buch, Singen, Schmusedecke und Kuscheltier und am besten noch alles in festgelegter Reihenfolge! Einfach gemeinsam schlafen gehen, denn „Menschen sind wichtiger als Dinge!“.

  • Ununterbrochener Nachtschlaf wird absolut überbewertet. Einige der intensivsten, witzigsten oder hinreißendsten Momente mit meinen Kindern hatte ich nachts – echt traurig, wenn ich die verpasst hätte!

Autorin: Julia

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