Ich bin eine Ex-Ferber-Mama
Ich bin mit dem Ferbern aufgewachsen. Meine Mama hat uns nicht nur geferbert, sondern ohne zwischendurch nach uns zu schauen eine halbe Stunde am Stück schreien lassen. Sie tat das, damit wir von Anfang an lernen, "wer hier das sagen hat". Und ganz ehrlich, ich fühle mich nicht weiß ich wie geschädigt dadurch. Sicher, ich hatte sehr lange ein ganz niedriges Selbstwertgefühl und auch kein Selbstvertrauen. Aber ob das daher kommt, weiß ich nicht.
Sie hat mir das mitgegeben, und auch als meine Tochter auf der Welt war, immer wieder betont, wie wichtig das schreien lassen sei. Und zwar nicht nur bei Schlafproblemen, sondern prinzipiell zwischendruch mal. Auch sonst kenne ich praktisch keine Mamas im Real Life, die ihre Kinder nicht schreien lassen.
Mir hat es immer sehr weh getan, meine Kleine schreien zu hören. Deshalb hab ich es lange nicht getan. Als dann aber unsere Einschlafprobleme begannen, und immer schlimmer wurden, dachte ich, nun müsse ich doch mal auf Mamas Rat hören. Ich hab dann Lena schreien gelassen. Sie schrie ausdauernd, verzweifelt und lange, und ich weinte im Wohnzimmer mit. Ich rechnete mit höchstens 5 Abenden, an denen das nötig sein würde. Aber da habe ich mich verrechnet, und zwar (zum Glück) gründlich.
Es wurde nicht besser. Es wurde viiiieeeel schlimmer. Mein kleiner Schatz konnte bis anhin tagsüber immer gut schlafen, und es gab nie Theater. Aber nun ging gar nichts mehr. Sie schrie, sobald ich sie ins Bettchen legte, sobald sie mich nicht mehr sah, sobald ich Anstalten machte, das Zimmer zu verlassen. Und das war nicht nur weinen, da war Panik in der Stimme, wirkliche Panik. Abends natürlich auch.
Bis anhin hatte meine Kleine auch nicht geweint, wenn sie erwacht war nach dem Mittagsschlaf. Sie hat schön gespielt im Bettchen. Aber nun schrie sie los, sobald sie auch nur ein Auge offen hatte.
Sie hat auch immer schön druchgeschlafen. Aber das war vorbei. Nachts erwachte sie mit panischem Schreien.
Da stoppte ich das "Programm," und zwar radikal. Ich suchte im I-Net nach Infos, und fand dann auch verschiedene Erfahrungsberichte die meine Erfahrung bestätigten.
Was ich da an fünf Abenden zerstört habe an Vertrauen, brauchte Wochen, bis es wieder heilte in der kleinen Kinderseele. Ich habe es nur geschafft, indem ich zuverlässig auf jedes Weinen und Jammern geantwortet habe, indem ich sie einfach in den Schlaf gestillt habe, ihr abends viel Nähe gegeben habe und keine Minute mehr schreien lies.
Ich stehe mit meiner Haltung dem schreien lassen gegenüber ziemlich alleine da. Wurde auch angegriffen deswegen. Aber ich bin davon geheilt. Und rate allen Eltern vom Schreien-lassen ihrer Kinder ab, denn was da zerstört wird an Vertrauen, kann massive Folgen haben.
Autorin: möchte unbekannt bleiben
